Foto: Peter HölterhoffEmpfehlungen der Stiftung Kindergesundheit zur richtigen Hygiene im Wochenbett und zu Hause

Nur selten haben Menschen einen so innigen Kontakt miteinander wie beim Anlegen eines Babys an die Mutterbrust. Doch viele stillende Mütter sind verunsichert: Könnte ich mein Kind ausgerechnet in diesem intimen und wunderbaren Moment mit dem Coronavirus anstecken? Die Stiftung Kindergesundheit gibt Entwarnung und betont: Die Muttermilch bleibt auch in Coronazeiten die optimale Nahrung für das Wachstum und die gesunde Entwicklung eines Kindes.
Foto: Peter Hölterhoff

„Nach unserem aktuellen Wissenstand wird das Coronavirus COVID-19 hauptsächlich über winzige Tröpfchen aus Mund und Rachen beim Niesen, Husten und Sprechen übertragen, ganz ähnlich wie das bei manchen ansteckenden Kinderkrankheiten oder bei der Virusgrippe Influenza der Fall ist“, sagt der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Eine Ansteckung durch verunreinigte Oberflächen könne ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. „Für eine Ansteckung durch infizierte Mütter während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen fand man jedoch bei den bisherigen – zugegebenermaßen wenigen – Studien keine Hinweise“, unterstreicht Professor Koletzko.

Keine Viren in der Muttermilch gefunden

Muttermilch bietet Schutz vor vielen Krankheiten. Nur in seltenen Fällen können beim Stillen auch Infektionen übertragen werden, betont die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme. Coronaviren scheinen nach bisherigen Erkenntnissen nicht über die Muttermilch übertragen zu werden: In Studien mit stillenden Frauen, die mit COVID-19 oder einem anderen Coronavirus, dem SARS-CoV infiziert waren, konnte das Virus in der Muttermilch nicht nachgewiesen werden. Allerdings bezogen sich die Untersuchungen nur auf wenige Beobachtungen.

Anders liegt die Risikolage bei der Übertragung des Virus durch den engen Hautkontakt beim Umgang mit dem Baby, gibt die Stiftung Kindergesundheit zu bedenken. Sollte bei einer Mutter eine Infektion mit dem Virus COVID-19 bereits bestätigt worden sein, sollte sie unbedingt eine Reihe von Hygiene-Vorkehrungen treffen, um das Risiko der Übertragung auf ihr Baby zu vermindern. Das gleiche empfiehlt sich auch für jene Mütter, bei denen durch erste Krankheitssymptome ein Verdacht auf eine Infektion besteht.

Mundschutz auch während des Stillens

In solchen Fällen empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit in Übereinstimmung mit der internationalen „Academy of Breastfeeding Medicine“ und der deutschen „Nationalen Stillkommission“ folgendes Vorgehen:

O Vor und auch nach dem körperlichen Kontakt mit dem Kind sollte die Mutter gründlich die Hände waschen. Gründlich heißt: etwa zwanzig Sekunden lang. „Das ist länger als man denkt“, sagt Professor Berthold Koletzko: „Etwa so lange dauert es, das Lied ‚Happy birthday‘ zweimal hintereinander zu singen“.

O Es empfiehlt sich das Anlegen eines Mundschutzes vor dem Aufnehmen des Kindes und auch während des Stillens, um die Übertragung von Tröpfchen zu verhindern.

O Kann die Mutter ihr Kind nicht stillen, kann die Muttermilch auch abgepumpt und dem Baby durch den Vater oder eine andere Person gefüttert werden. Vor dem Abpumpen sollte die Mutter die Hände gründlich waschen, bevor sie Teile der Pumpe oder des Fläschchens berührt. Pumpe und Fläschchen sollten nach jedem Gebrauch sterilisiert werden.

O Mütter, die sich noch in der Geburtsklinik befinden oder aus anderen Gründen stationär aufgenommen worden sind, sollten sich durch die Kinder- und Jugendärzte der Klinik beraten lassen.

O Zur häuslichen Handhygiene gehört die Verwendung eines alkoholhaltigen Handdesinfektionsmittels.

Verdacht bei Husten, Fieber und Schnupfen

Bei den bisher in Deutschland aufgetretenen Fällen einer Ansteckung mit COVID-19 wurden laut Robert-Koch-Institut Husten, Fieber und Schnupfen als häufigste Symptome berichtet. Bis zum 12. März 2020 wurden bei 737 Infizierten 12 Lungenentzündungen diagnostiziert. Darüber hinaus können weitere Symptome auftreten, wie zum Beispiel Kopf-, Rücken-, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung und Apathie.

Aktuell steht noch kein Impfstoff zum Schutz vor COVID-19 zur Verfügung. Laut der Weltgesundheitsorganisation befinden sich indes bereits mehr als 30 unterschiedliche Impfstoff-Kandidaten in der Entwicklung. Alle diese Kandidaten sind derzeit in der vor-klinischen Entwicklungsphase. Einzelne Entwickler haben jedoch den Beginn einer klinischen „Phase-1-Studie“ an gesunden Freiwilligen bereits für April oder Mai angekündigt.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit

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